Well Team Times (195)

Trainer und Co-Trainer als Team - Ein Gastbeitrag von Armin Poggendorf

Trainer, die ein team-dynami­sches Training durchführen, treten am besten als Zweier­team auf. Ein Trainerteam ist stärker und kreativer als ein einzelner Trainer. Trainer, die sich als Team verkaufen, leben Teamarbeit vor. Es wurde be­obachtet, dass Firmen sich zu­nehmend an Trainerteams wenden, weil sie dort Profes­sionalität in einem größeren Spektrum erwarten als bei ei­nem Trainer, der als Einzel­kämpfer auftritt. Trainer arbei­ten besser und effektiver im Team, weil sie dann

  • arbeitsteilig vorgehen
  • aktuelle Einschätzungen austauschen und
  • qualifiziertes Feedback vom Team-Partner erhalten.

Der Co-Trainer ist so etwas wie ein persönlicher Assistent des Trainers. Er sorgt in jeder Hinsicht für dessen Komfort und hält sich dabei im Hinter­grund. Ein Co-Trainer ist kein Neben-Trainer, der durch ständige „Zwischenbemerkun­gen“ auffällt oder sich durch „Gegenvorschläge“ profiliert. Er versteht sich als emotionale und organisatorische Stütze des Trainers.
Die Fähigkeiten eines Co-Trainers sollen für den Trainer eine Ergänzung sein. Geht der Trainer zum Beispiel etwas „härter“ vor, um bei einem Teilnehmer etwas in Bewe­gung zu bringen, dann wirkt der Co-Trainer ausgleichend, weich und glättend. Als aus­geglichenes Trainerteam hat sich die Kombination von Mann und Frau beziehungs­weise Frau und Mann als sinn­voll erwiesen und bewährt. Dies gilt insbesondere, wenn sich das zu trainierende Team aus Männern und Frauen zu­sammensetzt. Reine Männer­teams können von zwei Män­nern trainiert werden, reine Frauenteams von zwei Frauen.

Meldung aus unserer Praxis: Reine Männerteams können auch von zwei Frauen trainiert werden. Es ist eine Frage der Kompetenz, der Wertschät­zung, des Vertrauens und ge­wiss auch des Durchsetzungs­vermögens.
Myriam Bernardi, Teamtrainerin

Um dem Trainer mit Rat und Tat möglichst schnell zur Seite zu stehen, sitzt der Co-Trainer, wie in der Geschwisterreihe, links neben dem Trainer. So können die Gedanken kurz ausgetauscht werden, ohne dass es störend wirkt. Bei allen Menschen gibt es die Chance der gegenseitigen Er­gänzung, aber es gibt auch das Risiko der Konkurrenz, der Konflikte und Meinungsver­schiedenheiten. Trainer und Co-Trainer sind in diesem Punkt ganz normale Men­schen. Aber während der Trai­ner den Prozess leitet und der Co-Trainer ihm dabei assi­stiert, während sich die beiden also der Gruppe widmen, dür­fen etwaige Kabbeleien nicht stattfinden. Die Teilnehmer sollen ihre Trainer als harmo­nisches Team erleben. Nur so behalten sie das notwendige Vertrauen.

Der Co-Trainer ist auch Ersatztrainer
Was der Co-Trainer von der Dynamik in sozialen Systemen und vom Handwerk der Teamdynamik versteht, reicht an das Potenzial des Trainers heran. Die Grundzüge der An­gewandten Teamdynamik be­herrscht er gleichermaßen.
Der Co-Trainer sollte fähig sein, die Gruppe notfalls auch ohne den Trainer selbständig zu leiten. Ist der Trainer z.B. mit Aufgaben beschäftigt, die den organisatorischen Rahmen sichern, so dass die Gruppe zeitweilig ohne Leitung ist, dann tritt der Co-Trainer aus dem Schatten des Trainers heraus und springt für ihn ein.

Der Co-Trainer ist verantwortlich
Er ist unter Umständen ganz plötzlich voll für das Training verantwortlich. Er muss des­halb jederzeit darauf vorberei­tet sein, unverhofft zum Chef zu werden.
Wechseln Trainer und Co-Trainer ihre Rollen, dann wechseln sie auch ihre Plätze. Wer momentan Chef-Trainer ist, sitzt regelmäßig rechts; wer assistiert, sitzt an der lin­ken Seite seines Chefs.

Der Co-Trainer ist auch Übungspartner
Im Vordergrund steht der lau­fende Gruppenprozess. Der Co-Trainer muss ganz und gar an diesem Prozess teilnehmen und ihn bis zum Ende mit ver­folgen. Ob er dabei aber die Übungen mitmacht, muss für jede Situation sensibel ent­schieden werden.
Besteht die Gefahr, dass ein Teilnehmer den Anschluss an die Gruppe verliert, zum Beispiel weil er keinen Übungspartner hat, so stellt sich der Co-Trainer zur Verfügung.

  • Muss der Co-Trainer mit helfen, den Überblick über die Situation zu behalten, oder sind seine Impulse für den Prozess wichtig, dann nimmt er lieber nicht an der Übung teil – auch nicht, wenn ein Teilnehmer vor­übergehend keinen Partner haben sollte.
  • Verlässt ein Teilnehmer plötzlich ohne Erklärung den Raum, so ist es der Co-Trainer, der ihm folgt und ihn gegebenenfalls betreut. Der Co-Trainer muss klä­ren, ob der Teilnehmer nur die Blase voll oder ob er womöglich „die Nase voll“ hat.
  • Der Co-Trainer muss sich vor allem dann aus den Übungen ausklinken, wenn er im Teambildungsprozess der Teilnehmer keine Rolle spielen soll oder Gefahr läuft, sich in den Prozess hinein zu verstricken.

Der „stille Helfer“ ist nicht still
Einen erfahrenen Teilnehmer, der das team-dynamische Training schon des öfteren miterlebt hat und die Methodik kennt, der also an der Schwel­le zum Trainer steht, kann man als stillen Helfer einsetzen. Er verhält sich natürlich nicht still, sondern macht fleißig mit, fügt sich ein. Aber die Trainer bewahren Stillschwei­gen darüber, dass dieser Teil­nehmer bereits eine unterstüt­zende Funktion hat.
Der stille Helfer steht dem Trainerteam zur Seite, ohne dass dies der restlichen Grup­pe groß auffällt. Die Unter­stützung liegt vor allem darin, dass er die Interaktion mit an­kurbelt, indem er zum Beispiel einer der ersten ist, die sich in die Mitte wagen. Ein stiller Helfer macht alle Übungen vorbildlich mit und gibt den anderen Teilnehmern gern einmal Hilfestellung – wenn es angebracht sein sollte. Er kann dem Trainer auch als „Sprach­rohr“ oder „Verbindungs­mann“ zur Teilnehmergruppe oder zu einzelnen Teilnehmern dienen.
Der stille Helfer wirkt vor al­lem auch in den Trainingspau­sen, wie zum Beispiel abends nach dem Training, wenn die Teilnehmer noch bei einem Gespräch zusammensitzen.
Mit seinem schon größeren Durchblick steht er den ande­ren Teilnehmern zur Verfü­gung, hilft ihnen bei der Re­flektion ihrer Trainingserleb­nisse und versucht, ihre Fra­gen und Zweifel zu klären.

Jeder Trainer (oder Co-Trainer) ist auch ein Teilnehmer
Trainer ist derjenige, der das Training leitet, indem er Übungen und Begegnungen anleitet. Er hat aber nicht nur die leitende Funktion, die er mit seinem persönlichen Stil ausfüllt, er ist auch jemand, der sich als Mensch einbringt und etwas mitnimmt, jenseits von seiner Funktion. Als Mensch ist er offen, spontan, transparent und eben auch verwundbar. Es gibt keinen prinzipiellen Unterschied zwi­schen dem leitenden und dem teilnehmenden Teamdynami­ker, denn der Leiter nimmt auch teil, und der Teilnehmer kann auch intervenieren. Trai­ner wie Teilnehmer begegnen sich auf der menschlichen Ebene und auf „Augenhöhe“.
Der Trainer hat also eine am­bivalente, eine doppelwertige Rolle. Er ist einerseits Teil des Trainingsteams, Teil des team­dynamischen Prozesses. Er ist andererseits auch ein Außen­stehender, denn er braucht den Blick auf das Team von außen. Er sollte unabhängig sein, nicht verstrickt in die inneren Angelegenheiten des Teams. Er ist also zugleich „in“ und auch „out“. In beiden Rollen sollte er vom Trainingsteam gut akzeptiert sein.

 

 

Format Gastbeiträge
Themen
Diesen Beitrag teilen auf Diesen Beitrag teilen: Leserbrief schreiben