Well Team Times (201)

Teamdynamik - Realität, Wissenschaft und Methodik - Ein Gastbeitrag von Armin Poggendorf

Well Team Times (201)

Erlebte, erforschte und angewandte Teamdynamik

Teamdynamik ist dreierlei, sie ist

  • eine Realität für den, der täglich in einem Team arbeitet oder mit anderen kooperiert
  • eine Wissenschaft für den, der sich darum bemüht, die prinzipiellen sozialen Zusammenhänge zwischen den Teammitgliedern zu erfassen, zu verstehen, zu beschreiben und zu erklä­ren
  • eine Methodik für den, der ein Team trainiert, mode­riert, motiviert, leitet, berät, systemisch aufstellt und die Einzelnen im Team fördert oder weiterbildet.

Je nachdem, ob jemand zum Beispiel Teammitglied, Teamforscher oder Teamtrainer ist, handelt es sich also um erleb­te, erforschte oder angewandte Teamdynamik.

Eine sozio-kulturelle Innovation
Der team-dynamische Ansatz geht auf den Bedarf an neuen, wirksamen Interaktions-und Vermittlungsformen ein. Beim gegenwärtigen Trend zu den elektronischen Medien, zur di­gitalen Kommunikation und zum virtuellen Kontakt ent­steht unvermeidlich ein Bedarf an leibhaftiger Begegnung und Face-to-Face-Kommunikation. Es gibt ein neues Verlangen nach persönlicher Nähe, menschlicher Zuwendung, so­zialem Lernen, kultureller In­tegration, nach Anschluss an eine Werte-und Verhaltens­kultur. Und es gibt bei den Men­schen einen Bedarf an indivi­dueller Klärung und Reifung.

Bei der team-dynamischen Mo­deration wenden wir spezielle, neu entdeckte, wiederentdeck­te und optimierte Methoden an und setzen methodisch ausge­feilte Interaktionsformen ein. Wenn wir Teamdynamiker von „Teamdynamik“ sprechen, dann meinen wir durchweg die Angewandte Teamdynamik.
Die Interaktionsformen haben sich in vielen Jahren unter der Beteiligung von Trainerkolle­gen, Teilnehmern und Studie­renden aus vielen Experi­menten und Erfahrungen her­auskristallisiert, haben dann allmählich Konturen ange­nommen, so dass wir jetzt das Ergebnis als eigenständige Methodik nutzen und weiter­reichen können.
Die Angewandte Teamdyna­mik ist eine wirkungsvolle Methode, um Teambildung zu fördern und Teams fortzubil­den. Die Teilnehmer sind meist Menschen mit sozialen und kommunikativen Berufen, sie sind also zum Beispiel Trainer, Berater, Pädagogen, Personaler, Teamentwickler, Moderatoren, Supervisoren, Therapeuten, Führungskräfte. Für sie wird die Teamdynamik einerseits zu einer neuen Sichtweise, mit der sie sozio­dynamische Strukturen erken­nen, andererseits zu einer praktischen Vorgehensweise, mit der sie die erkannten Struk­turen qualifizieren können. Das ist überall dort wichtig, wo Menschen kooperieren. Denn eine gute, harmonische Dyna­mik fördert das Gedeihen und Gelingen bei kreativen und produktiven Prozessen.
Wir sehen die Angewandte Teamdynamik als sozio-kultu­relle Innovation.

Ein sozio-kultureller Allzweck-Ansatz
Mit der Methode der Ange­wandten Teamdynamik lässt sich in der Weiterbildung je­des sozio-kulturelle Thema vermitteln, das man in der Gruppe (im Trainingsteam) schult. Bei den Studenten trai­niert man zum Beispiel „Soft Skills“ oder „Selbstdarstellung und Präsentation“. Bei den Handwerkern wird „Koopera­tion“ zum Thema. Ein anderer Auftraggeber möchte eine Schulung in „Proxemik“ für die Führungskräfte. Auf Fach­tagungen geht es auch schon mal um Themen wie „Kommu­nikation im internationalen Team“, „Teamgeist im virtuel­len Team“ oder „Nachhaltig­keit in der Teamarbeit“. Wie die Themen auch gestellt wer­den, stets ist es hilfreich, zu ih­rer Vermittlung die einfachen, aber effektiven team-dynami­schen Interaktionsformen zu nutzen.
Viele ausgebildete Teamtrai­ner, darunter auch Outdoor-Trainer, nutzen die Teamdy­namik für das zentrale Thema „Teambuilding“ und für das Training von „Kommunikati­ver Kompetenz“. An der Hoch­schule Fulda und an der Uni Karlsruhe vermittelt eine zerti­fizierte Teamdynamikerin sehr erfolgreich „Lerntechniken“ und „Zeitmanagement“. Sie selbst hat Erwachsenen­pädagogik studiert. „Natürlich mache ich das alles auf die team-dynamische Weise,“ be­richtet sie.
Man kann also mithilfe von team-dynamischen Methoden und Interaktionsformen viel­fältige Schulungs-und Aus­bildungsinhalte transportieren. Die team-dynamischen Prinzi­pien zu kennen und die In­strumente einzusetzen, ist ein immenser Vorteil, das bestäti­gen die ausgebildeten Team­dynamiker immer wieder. Die Trainings gelingen auf diese Weise besser, sie werden spannender, persönlicher, auch humorvoller. Sie gehen tiefer. Sie gehen auf den Einzelnen ein, ohne das Team aus den Augen zu verlieren. Sie gehen auf den Moment ein, ohne das Lernziel zu vernachlässigen. Sie gehen auf die Emotionen ein, ohne den Intellekt abzu­schalten. Sie verbinden Ernst und Spaß in einer Einheit. Und sie bilden die sozialen Lern­schritte räumlich-körperlich ab, so dass die Inhalte nach­haltig in Erinnerung bleiben.

Ausbildung von Teamdynamikern
Trainer, Berater, Lehrer, Team­leiter etc., die sich zum „Team­trainer und Moderator für team-dynamische Prozesse“
ausbilden lassen möchten, be­legen eine Reihe von Ausbil­dungsworkshops. Diese Veran­staltungen werden unter dem Titel „Team-dynamisches Trai­ning“ angekündigt und sind inhaltlich offen, haben keine vorgefertigten Lernziele. Sie starten aber zunächst mit ei­nem Leitthema, zum Beispiel: „Geben und Nehmen“, „Syste­misch denken, fühlen, han­deln“, „Bindung und Bezie­hung“, „Gleichrangigkeit und Ebenbürtigkeit“, „Einfühlungs­und Durchsetzungsvermögen“, „Individuum und Identität“, „Starke und Schwache im Team“ etc. Ausgehend von ei­nem solchen Leitthema entwi­ckelt sich dann schnell eine Eigendynamik, in der die Teil­nehmer ihre Grenzen erfahren und ihre Defizite erkennen. Denn das Ziel ist, dass sie ihre individuellen methodischen, personalen und sozialen Kom­petenzen ausbauen. Es geht immer um ihr persönliches und berufliches Wachstum.

Unterschiede in der Tiefe und den Themen
Die team-dynamischen Inter­aktionsformen eignen sich gleichermaßen für viele ver­schiedene Workshop-Formate, Zielgruppen und Zielsetzun­gen. Der Unterschied bei den team-dynamischen Prozessen liegt in den Themen und der zugelassenen Tiefe. Der Mo­derator respektiert das Bedürf­nis der Teilnehmer, das Ge­sicht zu wahren, und entschei­det vorsichtig, wie tief der Lernprozess in die Persönlich­keit geht. Die Themen werden spezifisch angepasst an die Belange und Lernziele der Teilnehmergruppe.
Die Zielgruppen und Zielset­zungen lassen sich nicht ganz exakt abgrenzen. So kommen zum Beispiel Teilnehmer mit der Zielsetzung, die Teamdy­namik als Methodik für ihren Beruf zu erlernen, und stellen dann fest, dass die Möglich­keit, in die Selbsterfahrung zu gehen und persönliche Anlie­gen einzubringen, für sie ge­nauso wichtig wird. Oder ein Arbeitsteam bekommt von der Betriebsleitung eine „Maß­nahme“ spendiert, um sich mit Kooperations-Know-how wei­terzubilden, und stellt dann fest, dass der Trainer zum Teamcoach wird. Mancher Stu­dent belegt eine Veranstaltung zur Förderung seiner Soft Skills, bemerkt aber bald, dass er die Stunden mit den Kommi­litonen als soziale Integration genießt.

 

 

 

 

 

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