Well Team Times (205)

Die Macht der Sprache - Ein Gastbeitrag von Armin Poggendorf

Worte und Formulierungen

Die Kommunikation in team­dynamischen Trainings erfolgt nicht nur verbal, also mit Stimme und Worten, sondern vor allem auch auf der non­verbalen Ebene. Wenn auch die Worte meist im Vordergrund stehen, so heißt das nicht, dass sie allgegenwärtig und allein-bestimmend sind.

Worte geben Bilder

Wann immer wir Worte hören, werden in unserem Gehirn da­raufhin Bilder, Gefühle und Gedanken ausgelöst. Alle Worte können sowohl eine gewünschte als auch eine un­erwünschte Wirkung hervor­rufen.
Jedes Wort ist bei jedem Men­schen mit einem inneren Bild verknüpft. Diese Verknüpfung ist mental gespeichert und je­derzeit abrufbar: So wie jedes Bild ein bestimmtes Wort auf die Zunge legt, ruft auch jedes Wort ein bestimmtes geistiges Bild ab. Und jedes abgerufene Bild erzeugt dann ein Gefühl.
Die Gefühle schlagen sich in Handlungsideen nieder. Ideen neigen zur Schlüssigkeit und zur Konzeptbildung, das sind dann unsere Gedanken, die letztlich unsere Taten hervor­rufen. Aus Worten können al­so Taten folgen, vorausgesetzt die Worte haben genug Bild­haftigkeit und die Gedanken die notwendige Schlüssigkeit.
Es gibt aber auch Worte, die keine Bilder produzieren. Dies sind die Negationen wie nicht oder kein. Für unser Gehirn ist es schier unmöglich, sich die­sem Nicht-Bild zu entziehen. „Versuchen Sie das einmal: Stellen Sie sich die Aufgabe, nicht an einen weißen Bären zu denken, und Sie werden se­hen, der Verwünschte wird Ihnen in einem fort einfallen.“
(Fjodor M. Dostojewski)

Bildhaft sprechen!

Jeder Teilnehmer sollte lernen, sorgfältig mit der Sprache um­zugehen, der Trainer sollte dies aber schon können. Er
Quelle: www.rhetorik.ch
sollte zielgerichtet bildhaft sprechen. So sollte er zum Beispiel nicht sagen: „Ich möchte euch nicht ins offene Messer laufen lassen …“, son­dern eher „ Ich möchte euch davor bewahren …“ Seine An­leitungen sollten das verbes­serte Bild rüberbringen. Nicht: „Zieh nicht die Schultern hoch …“, sondern: „Lass die Schul­tern los, lass sie fallen …“

Sprache fördert Bildung

Zweifellos lebt ein team­dynamischer Workshop we­sentlich von der Sprache, die dort gesprochen wird. Die Sprache verkündet das Niveau der Weiterbildung und damit den Beitrag zur Bildung. Annette Schavan, ehemalige deutsche Bundesministerin für Bildung und Forschung, hat einmal gesagt: „Der Schlüssel für individuelle Lebenschan­cen und Teilhabe am sozialen, kulturellen und ökonomischen Leben ist Bildung. Der Schlüs­sel für Bildung wiederum ist die Sprache.“

Sprache ist sehr viel mehr als Kommunikation. Sprache ist das wichtigste Instrument zur Wahrnehmung der Welt. Was ich von meinen Wahrnehmun­gen über die fünf Sinne nicht in Sprache fassen kann, das habe ich nicht wirklich gese­hen, gehört oder gespürt, das habe ich nicht wirklich wahr­genommen, nicht verstanden.
Je besser ich den Umgang mit dem Instrumentarium meiner Sprache erlerne, es beherrsche und dann benutzen kann, des­to besser verstehe ich andere und mich selbst, desto besser finde ich mich in der Welt zu­recht. Sprachlos wissen wir nicht, was wir tun.
(Klaus Reichert, Präsident der Akademie für Deutsche Sprache und Dichtung)

Positiv formulieren!

Zur Kommunikationskultur in Workshops sollte es gehören, dass man bewusst positive Formulierungen verwendet, besonders wenn man Kritik äußern muss. Wer positiv for­muliert, ist beliebter und wird seine Ziele leichter durchset­zen können. Dabei sind positi­ve Formulierungen keine Lü­gen, sie nehmen nur den ange­strebten positiven Zustand vorweg. Positiv formulieren kann man nur mit Weitsicht und einem anvisierten posi­tiven Ziel. Negative Formulie­rungen können jemanden als Nörgler oder mutlosen Men­schen erscheinen lassen. Nega­tive Äußerungen über andere signalisieren Arroganz und er­zeugen Widerstand und Ag­gressivität.
Beispiele für negative und po­sitive Formulierungen:

  • „Das haben Sie wieder falsch gemacht!“ – „Beim nächsten Mal werden Sie es bestimmt richtig ma­chen. Und wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie mich einfach vorher noch mal.“
  • „Man kann es Ihnen immer wieder erklären, Sie kapie­ren es nicht!“ – „Sie sollten Ihre Kenntnisse in diesem Bereich vertiefen. Ich kann Ihnen da ein hilfreiches Buch empfehlen.“

Wie auch immer ein Teilneh­mer sich äußert, ob positiv oder negativ, versöhnlich oder aggressiv, offen oder abweh­rend, der Moderator kann es so stehen lassen. Denn es ist seine Funktion, ein Problem aus mehreren Perspektiven zu be­leuchten und spielerisch mit Standpunkten umzugehen.

Worte in systemischen Inszenierungen

Worte können einen Menschen in seiner Seele tief berühren, sie können aufbauend, aber auch sehr verletzend sein. Wor­te können eine Beziehung defi­nieren, eine Bindung würdigen oder auch eine Bindung auflö­sen. Wenn einmal etwas gesagt wurde, kann man es nicht unge­sagt machen. Darum ist es im Laufe der Systemischen Insze­nierung oft entscheidend, dass die angemessenen, richtigen Worte gefunden werden.
Die Emotionen, die die Dar­steller empfinden, stehen im direkten Zusammenhang mit ihrem Stand zwischen den an­deren Darstellern sowie mit deren Positionen im Raum.
Werden diese Emotionen in Worte gefasst, kann man davon ausgehen, dass sie spontan und ehrlich ausgedrückt werden. Darum ist es aufschlussreich, wenn die Darsteller direkt aus ihrer Rolle sprechen. Es be­steht auch die Möglichkeit, dass der Trainer Worte, For­mulierungen oder Lösungssät­ze vorschlägt. Es geht aber auch ohne Worte, die Darstel­ler agieren schweigend, sie drücken sich nur über ihre Positionen und Gesten aus.

Teambildung lebt nicht durch die Worte

Die Ebene der Worte, Dialoge und Debatten ist allerdings nicht die Ebene der Teambil­dung. Ein Team entwickelt sich aus dem gemeinsamen Handeln. In Workshops heißt das: handeln auf emotionaler, spielerischer und symbolischer Ebene. Ein Teilnehmer, der vom Trainer brillante Formu­lierungen und charismatische Vorträge über Sozialkompe­tenz erwartet, wird das Ziel der bewussten Teambildung aus den Augen verlieren. Und ein Trainer, der den Teilneh­mern Rhetorik oder positives Denken vermitteln will, schult den Einzelnen, aber leitet hiermit noch keinen team­dynamischen Prozess und bil­det auch kein Team.

Kein BlaBla in der Mitte!

Die Mitte des team-dynami­schen Kreises steht für Aktio­nen und Emotionen zur Verfü­gung, nicht für Gerede oder emotionslose – und deshalb un­spaßige – Sachinformationen.

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