Well Team Times (206)

Wir haben keine Zeit - Ein Gastbeitrag von Armin Poggendorf

Well Team Times (206)

„Wir haben keine Zeit“

Wenn wir keinen Termin mehr frei haben sagen wir: „Wir ha­ben keine Zeit.“ Den meisten geht es so, dass sie „zu wenig Zeit haben“. Doch die Zeit kommt aus dem Sein und sie fließt unaufhörlich. Für jeden dauert der Tag 24 Stunden.
Zeit „hat“ man nicht. Sie ist wohl nicht zu haben. Man nimmt sie sich, indem man sie für etwas nutzt. Indem man zu­lässt, nur eine Sache zur Zeit zu tun, und dieses Tun tief erlebt.

Zeitbegriff

Der Begriff Zeit bezeichnet das vom menschlichen Bewusst­sein wahrgenommene Nachein­ander in der Folge von Ereig­nissen. Das menschliche Emp­finden von Zeit ist von ihrem Vergehen geprägt, einem Phä­nomen, das als Fortschreiten der Gegenwart, von der Vergan­genheit kommend zur Zukunft hin, wahrgenommen wird und sich bisher einer naturwissen­schaftlichen Beschreibung ent­zieht. Die Frage nach dem We­sen der Zeit gehört zu den äl­testen Fragen der Philosophie.
In der Physik ist die Zeit die fundamentale, messbare Größe, die zusammen mit dem Raum das Kontinuum bildet, in das jegliches materielle Geschehen eingebettet ist.

Zeitmanagement

bedeutet, die eigene Zeit zu beherrschen, statt sich von ihr beherrschen zu lassen. Alle Erfolgreichen haben eines gemeinsam: Irgendwann ein­mal haben sie erkannt, dass sie mit der eigenen Zeit besser umgehen müssen. Erfolg­reiche denken über das „per­sönliche Kapital“ Zeit nach. Rolf Leicher, Trainer und Be­rater, empfiehlt zwölf goldene Regeln für die tägliche Arbeit:

  • Leerlauf und Wartezeiten vermeiden
  • Unterbrechungen vermei­den oder reduzieren
  • Ordnung halten, denn Suchen hält auf
  • Zuerst das Dringliche, dann das Wichtige
  • Mit Checklisten den Überblick behalten
  • Alle Rückstände schnell aufarbeiten
  • Jeden Vorgang nur einmal in die Hand nehmen
  • Keine Zeit für Lieblings­beschäftigung verlieren
  • Sich kürzer fassen bei aller Freundlichkeit
  • Heute schon den morgigen Tag planen
  • Terminstress durch Pufferzeiten vermeiden
  • Noch bewusster mit der Zeit umgehen

Rolf Leicher in: Armin Poggendorf (Hrsg.), Loseblattwerk „Das Team“, Lektion Zeitmanagement

Zeitmanagement – Tagesplanung

Kernstück des Zeitmanage­ments ist die Tagesplanung. Für die optimale Tagespla­nung empfiehlt das Trainings­institut Tornow und Partner
die folgenden zehn effizienten Prinzipien:

  • Den Tag positiv beginnen
  • Alle wichtigen Aktivitäten aufschreiben
  • Zeitrahmen der geplanten Tätigkeiten erstellen
  • Aufgaben mit Prioritäten versehen
  • Abendliche Kontrolle der erledigten Arbeiten
  • Zeitdiebe fassen
  • Arbeiten delegieren
  • Prinzip der Schriftlichkeit
  • „Alarmpläne“ für notwen­dige Korrekturen
  • Jeden Tag eine Freude einplanen

Vgl. Ortrud Tornow, Trainerin

Zeit gewinnen

Man verliert die meiste Zeit damit, dass man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck

Zeit ist das, was Uhren messen

Physikalisch gesehen ist Zeit das, was Uhren messen. Das mag unbefriedigend klingen, aber diese Definition entspricht nicht nur unserem Alltagsver­ständnis, sondern auch Einst­eins Relativitätstheorie. Ein­stein hat ja gesagt, Zeit ist rela­tiv, und damit meinte er, dass Uhren, die sich mit unter­schiedlicher Geschwindigkeit durch den Raum bewegen, un­terschiedlich schnell ticken. Das hat man auch nachgewie­sen: Wenn man eine hochpräzi­se Uhr in einem Flugzeug ein­mal um die Erde fliegen lässt, dann geht diese Uhr langsamer, als wenn sie an Ort und Stelle geblieben wäre. Und zwar geht sie nicht deshalb langsamer, weil sie im Flugzeug durch ir­gendetwas gebremst worden wäre, sondern weil die Zeit in schnell bewegten Körpern wirklich langsamer vergeht, re­lativ zu einem statischen Be­obachter. Zeit ist in diesem Sinn also wirklich das, was Uh­ren messen. Auch die Maßein­heit der Zeit, die Sekunde, ist auf diese Weise definiert. Nur dass die “Uhr” in diesem Fall ein Cäsium-Atom ist: Ein Cä-sium-Atom schwingt rund 9 Billionen Mal in der Sekunde und deshalb sagen Physiker einfach: Das ca. 9,192 Billio­nenfache dieser Schwingungs­dauer definieren wir als “Se­kunde”.

Das tiefere Wesen der Zeit

Die Frage ist: Muss man sich die Zeit als etwas vorstellen, was immer kontinuierlich „fließt“? Da wissen die Physi­ker heute: Zum einen ist die Zeit – ähnlich wie der Raum – nichts, was unabhängig von al­lem einfach da wäre. Wir stel­len uns ja die Zeit oft wie ein Raster zwischen Vergangen­heit und Zukunft vor, das „da ist“, und dann „passiert“ darin irgendetwas. Auch da hat Ein­stein gezeigt, dass das nicht so ist. Sowohl Raum als auch Zeit werden durch die Materie und die Energie im Weltall sozusagen erst aufgespannt. Zum mutmaßlichen Beginn des Universums, beim soge­nannten Urknall, versagen diese physikalischen Gesetze und es ist völlig unklar, ob es überhaupt eine Zeit vor dem Urknall gab oder ob die Zeit als solche erst mit dem Ur­knall angefangen hat zu exis­tieren. Die Frage „Was war vorher?“ ergäbe dann auch keinen Sinn mehr, denn wenn es keine Zeit gibt, gibt es auch kein „vorher“ und „nachher“. Ein weiteres Phänomen der Zeit ist, dass sie möglicher­weise im Kleinen „gequan­telt“ ist. Das heißt, bildhaft gesprochen, die Zeit verrinnt nicht gleichmäßig, sondern sie tropft in winzig kleinen Zeit­portiönchen, die natürlich viel kürzer sind, als wir das wahr­nehmen können.

Unterschied zwischen Raum und Zeit

Da ist ein weiteres Merkmal: Der sogenannte Zeitpfeil. Die Zeit kennt in unserem Emp­finden nur eine Richtung. Die Zeit können wir nicht anhal­ten, nicht zurückdrehen, sie fließt von der Vergangenheit in die Zukunft und trennt Ur­sache und Wirkung. Die Ver­gangenheit ist das, was ge­schehen ist und sich nicht mehr ändern lässt, die Zukunft ist offen. Das ist erstaunlich, weil in der klassischen Physik – auch bei Einstein – die Zeit keine Richtung hat.

Die Bewegungsgesetze gelten vorwärts wie rückwärts. Wenn ich eine Billardkugel filme, wie sie auf dem Billardtisch rollt, könnte ich den Film auch rückwärts laufen lassen, ohne dass es auffallen würde. Anders ist es, wenn ich eine Glasscheibe filme, die zer­bricht. Hier sehe ich sofort, wenn der Film rückwärts läuft, wenn sich die Scherben wieder zur Scheibe zusam­mensetzen.

Das liegt an der sogenannten Entropie: Ereignisse entwi­ckeln sich so, dass die Welt insgesamt tendenziell unor­dentlicher wird. Und wenn sie doch irgendwo ordentlicher wird – etwa wenn wir den Ab­wasch machen – dann geht das nur, weil wir anderswo – in dem Fall im Abwasser – Unord­nung schaffen. Diese Zunah­me der Unordnung ist es, die physikalisch der Zeit eine Richtung gibt. Im Umkehr­schluss bedeutet das, die Energie des Universums muss am Anfang extrem „geordnet“ gewesen sein – sonst hätte es ja gar nicht die Möglichkeit, im­mer ungeordneter zu werden.

Wenn man das aber wieder zu Ende denkt, ist es vorstellbar, dass das Universum in vielen Milliarden Jahren irgendwann einen maximal ungeordneten Zustand annimmt. Das wäre dann eine Art Strahlenbrei; und in diesem maximal unge­ordneten Zustand würde sich der Zeitpfeil sozusagen auflö­sen, das Universum wäre so monoton, dass zumindest im Kleinen die Vergangenheit sich von der Zukunft nicht mehr unterscheidet; es gibt keine Ursachen und keine Wirkung.

www.swr.de/blog/1000antworten/ antwort/15222/was-ist-zeit/

 

 

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