Agiles Projektmanagement: Flexibilität ist Trumpf

Survival-Guide Nr. 11 - von Mario Neumann

Agiles Projektmanagement: Flexibilität ist Trumpf

Agil bedeutet laut Duden „regsam und wendig“. Ein agiles Projektmanagement umfasst demnach dynamische und flexible Methoden, um ein Projekt schnell, effizient und erfolgreich abzuschließen. Im Gegensatz zum klassischen Projektmanagement ist die Planungs- und Führungsintensität vermindert, dafür rücken Eigenverantwortlichkeit und Anpassungsfähigkeit der einzelnen Teammitglieder in den Vordergrund. Diese erhalten mehr Freiheiten hinsichtlich Umfang, Zeit und Kosten, zudem werden die Auftraggeber stärker in das Geschehen eingebunden.

Herkunft und Einsatzbereiche

Der Begriff kam erstmals rund um die Jahrtausendwende auf und stammt ursprünglich aus der Softwareentwicklung. Diese wurde damals zunehmend als kreativer Prozess wahrgenommen, der nicht durch starr festgelegte Termin- und Kostenvorgaben beschnitten werden sollte. Heutzutage wird das Konzept des agilen Projektmanagements branchenübergreifend eingesetzt und vor allem dann, wenn das Endziel nicht klar ersichtlich ist oder eine volatile Marktsituation besteht, die nach schnellen Resultaten verlangt.

Das Agile Manifest und seine vier Leitsätze

Das agile Projektmanagement fußt auf Werten und Prinzipien, die 2001 im sogenannten Agilen Manifest niedergeschrieben wurden. Unter den 17 Erstunterzeichnern befinden sich beispielsweise die drei Extreme-Programming-Begründer Kent Beck, Ward Cunningham und Ron Jeffries. Mittlerweile umfasst die Unterzeichnerliste mehrere tausend Personen und wird nach wie vor immer länger.

Es gibt vier Leitsätze:

  • „Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge.“
    Der Mensch steht im Mittelpunkt. Den Teammitgliedern wird ein großzügiger Handlungsspielraum eingeräumt, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Eine rege Kommunikation untereinander ist der Schlüssel, um ein Projekt erfolgreich voranzutreiben.
  • „Funktionierende Software ist wichtiger als eine umfassende Dokumentation.“
    Statt „Software“ ließe sich hier auch „Produktion“ einsetzen. Bestandsaufnahmen sind grundsätzlich wichtig, dürfen aber nicht zulasten einer kontinuierlichen Produktentwicklung gehen.
  • „Kundenkooperationen sind wichtiger als Vertragsverhandlungen.“
    Auch wenn es mehrere Parteien mit unterschiedlichen Interessenlagen gibt, so sind dennoch alle dazu aufgerufen, das große Ganze im Blick zu haben. Diese Einstellung soll allzu zähe Vertragsverhandlungen verhindern und die Energie lieber in die Projektarbeit umleiten.
  • „Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als stures Befolgen eines Plans.“
    Flexibilität ist gefordert, schließlich ist der Projektverlauf nicht detailliert bis zum Ende planbar. Bei plötzlich auftretenden Unwägbarkeiten sind korrigierende und kreative Lösungen gefragt.

Agiles vs. klassisches Projektmanagement

Das klassische Projektmanagement läuft so ab: Zu Projektbeginn werden die Anforderungen definiert und am Projektende die Ergebnisse präsentiert, die Vorgehensweise dazwischen ist vollkommen linear. Agiles Projektmanagement verläuft hingegen inkrementell (aufeinander aufbauend) und in iterativen (sich wiederholenden) Zyklen, zudem passt man sich laufend den neuen Gegebenheiten an und erstattet den Auftraggebern zwischendurch immer wieder Bericht. Grundsätzlich tragen dabei die Teammitglieder eine höhere Verantwortung, die Meetings sind regelmäßiger und kürzer und die Kommunikation erfolgt eher im direkten Gespräch als über unpersönlichen Schriftverkehr. Es gibt aber auch die Möglichkeit, agile und klassische Methoden zu kombinieren und ein sogenanntes hybrides Projektmanagement zu betreiben, wie es Dr. Jörg Preußig in seinem Buch „Agiles Projektmanagement – Scrum, Use Cases, Task Boards & Co.“ unter anderem beschreibt.

Vorteile des agilen Projektmanagements

Anhand dieser Gegenüberstellung werden die Vorzüge des agilen Projektmanagements deutlich. Derlei Projekte sind in der Regel früher abgeschlossen und daher kostengünstiger. Das erzeugt einen echten Wettbewerbsvorteil, was sich besonders in schnelllebigen Branchen auszahlt. Ob des zyklischen Verlaufs können Fehler eher vermieden bzw. schneller erkannt und ausgemerzt werden. Misserfolge sind somit rasch vergessen, es überwiegen die Erfolgserlebnisse, die über das Erreichen der Kurzzeitziele entstehen und die Teammitglieder permanent motivieren. Kurzum: Agiles Projektmanagement führt gemeinhin zu effizienteren Arbeitsabläufen, motivierteren Mitarbeitern und letztlich zufriedeneren Kunden.

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