Gotthard-Basistunnel

Wie Großprojekte ein Erfolg werden - Ein Kommentar von Pascal Lechler

Gotthard-Basistunnel

Heute ist den Schweizern nur zum Feiern zumute. Kritik am Gotthard – heute bitte nicht. Das schöne in der Schweiz: Großprojekte werden lange geplant. Wenn sie dann mal aufgegleist sind, dann verstummt auch die Kritik an ihnen. Die erste Idee zu einem Megatunnel unter dem Gotthard wurde bereits nach dem Krieg geboren. Die entscheidende Planungsphase begann dann in den 1970er-Jahren.

Was können wir Deutsche nun lernen? Lieber durchdacht als überhastet planen. In der Schweiz werden die Betroffenen frühzeitig mit ins Boot geholt. Mit dieser intensiven Planung wird Protesten gleich der Wind aus den Segeln genommen. Baukosten werden in der Schweiz in der Regel nicht schöngerechnet, nur um sich die Zustimmung für ein Projekt zu sichern. Das würde sowieso in dem engmaschigen Kontrollsystem der Schweiz früher oder später auffallen. Klar, gab es auch beim Gotthard kleinere Kostensteigerungen und Probleme – aber nichts hat das Projekt wirklich aus der Bahn geworfen. Das liegt wohl auch daran, dass alle Bauvorhaben dem Schweizer Volk zur Abstimmung vorgelegt werden. Von der Planung bis zur Finanzierung.

Seinen vollen Nutzen kann der Tunnel im Moment noch gar nicht entfalten

Und das Schweizer Volk lässt sich in der Regel nicht blenden, entscheidet meist kühl, kostenbewusst und sachorientiert. Ein schlecht durchdachtes Großprojekt würde beim Schweizer Volk glatt durchfallen. Und auch das gab es schon: Beispielsweise ein Tunnel unter dem Genfer See durch. Interessanterweise waren es Umweltschützer, die die Frage nach der Rentabilität des Gotthardbasistunnels zum ersten Mal aufwarfen. Sie wollten das Milliardenprojekt zu Fall bringen: Zu groß, zu teuer – also unrentabel.

Die Schweizer sagten dennoch „ja“ zum längsten Eisenbahntunnel der Welt. Das Schweizer Stimmvolk zweifelte wohl nie daran, dass sich der Tunnel irgendwann lohnen würde. Denn es gibt in der Schweiz ein übergeordnetes Ziel: Die Verlagerung des Straßenverkehrs auf die Schiene und Obergrenzen für den Schwerlastverkehr auf Autobahnen. Auch das per Volksentscheid beschlossen. Gute Luft und eine intakte Alpenwelt statt Verkehrskollaps.

Wird jetzt vor allem in Deutschland die Frage nach der Rentabilität des Megatunnels gestellt, dann müsste man auch die Frage zulassen, was uns eine intakte Alpenwelt wert ist. Fairerweise darf man auch nicht vergessen: Seinen vollen Nutzen kann der Tunnel im Moment noch gar nicht entfalten. Bis Güter nämlich durchgängig per Bahn von Rotterdam nach Genua rollen können, müssen Deutsche und Italiener erst mal die Zulaufstrecken zum Gotthard ausbauen. Das wird noch dauern.

Doch jetzt schon auch ohne die Vorleistung aus Deutschland und Italien bringt der neue Tunnel viele Vorteile: Dank seiner flachen Streckenführung durch den Berg braucht man künftig nur noch eine statt zwei Loks. Die Güterzüge werden deutlich länger. In kürzerer Zeit können mehr Waren transportiert werden. Wir als Reisende kommen schneller von Deutschland nach Italien.

Der Tag, an dem sich dieses Milliardenbauwerk bis auf den letzten Franken rentiert haben wird, kommt – und zwar vermutlich schneller als es seinen Kritikern lieb ist.

(Quelle: Deutschlandfunk, 01.06.2016)

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