Risiko-Check – Teil 3

Strategien für den Umgang mit Risiken

Risiko-Check – Teil 3

Dirk D. hat mit seinen Kollegen die Risiken analysiert und bewertet. Die Gruppe steht vor dem Flipchart und betrachtet eine stattliche Liste an Risiken. »Um welche Risiken müssen wir uns kümmern?«, fragt Dirk D. »Welche Vorkehrungen sollen wir treffen, welche Maßnahmen ergreifen?« Er blickt in eine Reihe von lustlosen Gesichtern, die sich nicht so recht mit den Schwierigkeiten befassen wollen. Kein Wunder, denn Risiken sind unangenehm, und an unangenehme Sachen denkt man nicht gerne. Das Projekt ist schon schwierig genug, warum also unnötig die Pferde scheu machen?

Obwohl Projektrisiken reale Bedrohungen sind, tendieren viele Projektleiter zu einem gefährlichen Optimismus. Etliche ihrer Planungen erfüllen schlicht den Tatbestand des gemeinschaftlichen Selbstbetrugs. Die gleichen Menschen, die sich privat gegen die unwahrscheinlichsten Risiken versichern, mutieren in Projekten zu Hasardeuren und gehen die abenteuerlichsten Risiken ein.

Die eigentliche Schwierigkeit des Risikomanagements besteht also nicht in der methodischen Durchführung, sondern in der Bereitschaft, unangenehmen Tatsachen in die Augen zu sehen – und zwar auch und gerade dann, wenn man noch keine Lösung für sie weiß.

Präventive oder korrektive Maßnahmen?

Nun geht es also darum, aktiv zu werden. Die möglichen Maßnahmen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: präventive und korrektive Maßnahmen. Der Unterschied lässt sich an einem einfachen Beispiel verdeutlichen. Dirk D. weiß um die dünne Personaldecke in der IT-Abteilung (Ursache). Es besteht das Risiko, dass das Teilprojekt „IT-Security“ ins Stocken geraten könnte (Auswirkung), weil die wenigen Spezialisten oft durch das Tagesgeschäft bereits völlig überlastet sind.

Präventive Maßnahmen wirken vorbeugend. Sie sollen dafür sorgen, dass das Risiko gar nicht erst eintritt. Um präventiv zu sein, muss sich die Maßnahme auf die Ursache des Risikos beziehen. Man könnte beispielsweise für das Teilprojekt „IT-Security“ zusätzlich einen externen Spezialisten engagieren. Dadurch reduziert sich die Eintrittswahrscheinlichkeit: Selbst wenn ein Externer engagiert wird, kann das Teilprojekt trotzdem noch ins Stocken geraten.

 

Korrektive Maßnahmen werden ergriffen, wenn das Risiko bereits eingetreten ist. Sie bekämpfen nicht die Ursache, sondern sollen den Schaden reduzieren. Um als korrektiv zu gelten, muss eine Maßnahme die Auswirkungen abmildern.

Eine solche Vorkehrung könnte das Pausieren eines anderen Projekts sein, an dem ebenfalls einige der internen Spezialisten beteiligt sind. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ändert sich bei dieser Maßnahme nicht, da die Personaldecke nach wie vor zu dünn ist, die Ursache also unverändert bestehen bleibt.

Strategien für den Umgang mit Risiken

Ganz so trivial wie im Falle der fehlenden IT-Spezialisten stellt sich Lage in der Projektwirklichkeit leider nicht dar. Meist ist es hier deutlich schwieriger und erfordert profundes Fachwissen, um die richtigen Maßnahmen zu finden. Prinzipiell stehen Ihnen vier Strategien zur Verfügung:

  • Verhindern: Sie versuchen durch geeignete Maßnahmen, die Ursachen für das Risiko in den Griff zu bekommen. Sie wollen im Vorfeld sicherstellen, dass es erst gar nicht zu Problemen kommt.
  • Reduzieren: Sie definieren Maßnahmen, mit denen Sie im Eintrittsfall den Schaden verringern können. Der Schaden soll im Rahmen bleiben, das Projekt also nicht gefährden.
  • Akzeptieren: Sie entscheiden sich, das Risiko zu akzeptieren. Sie verzichten auf mögliche Maßnahmen, um das Risiko zu vermeiden – und sind bereit, den Schaden zu akzeptieren, falls es doch passiert.
  • Übertragen: Sie wälzen das Risiko auf einen Dritten ab. Zum Beispiel übertragen Sie das Risiko per Vertrag an einen Lieferanten, der für etwaige Folgen aufkommt.

Der Umgang mit extremen Risiken

Extreme Risiken stellen das Projekt an sich infrage. Prüfen Sie ein solches Risiko eingehend: Gefährdet es das Projekt tatsächlich? Wenn ja, sollten Sie den Mut aufbringen und das Thema mit dem Auftraggeber besprechen. Das gilt in besonderem Maße für Kundenprojekte, bei denen ein Scheitern schnell das Unternehmen insgesamt schädigen oder gar in eine Schieflage bringen kann.

Ein Risiko, bei dessen Eintreten das gesamte Projekt zu scheitern droht, ist auf der anderen Seite auch ein entscheidender Erfolgsfaktor. Behalten Sie diesen Erfolgsfaktor ständig im Auge! Liegt das Risiko zum Beispiel in einem extrem knappen Zeitplan, also letztlich darin, den Endtermin zu überschreiten, können Sie es zum Erfolgsfaktor »absolute Termintreue von Anfang an« umdeuten. Diesen Erfolgsfaktor können Sie nun in den Mittelpunkt rücken. Sie treffen ungewöhnlich genaue Terminvereinbarungen und lassen sich regelmäßig Bericht erstatten. Sie behalten den Faktor »Zeit« ständig im Auge.

Survival Tipps

  • Suchen Sie nach geeigneten Maßnahmen, um die Ursachen für die Risiken in den Griff zu bekommen. Versuchen Sie im Vorfeld sicherzustellen, dass es erst gar nicht zu Problemen kommt.
  • Definieren Sie Maßnahmen, mit denen Sie den Schaden begrenzen können, falls das Problem wirklich auftritt. Der Schaden soll im Rahmen bleiben.
  • Betrachten Sie Risiken, bei deren Eintreten das gesamte Projekt zu scheitern droht, als entscheidenden Erfolgsfaktor. Behalten Sie diesen Erfolgsfaktor ständig im Auge!
  • Gehen Sie Ihre Maßnahmen nochmal durch. Allzu gerne schleichen sich „Mogelpackungen“ ein, die das Gewissen beruhigen, im Ernstfall jedoch nicht funktionieren.
  • Verlieren Sie das Thema »Risiken« nicht aus dem Auge. Sorgen Sie dafür, dass es während der gesamten Projektlaufzeit präsent bleibt.
  • Denken Sie daran: Risikomanagement benötigt Zeit und verursacht Kosten. Kein Risikomanagement führt dagegen zu unnötigen Verzögerungen und kostet Sie am Ende noch mehr Geld!

Hinweis

Risikomanagement Tools helfen Unternehmen, Projektrisiken zu erkennen und Verluste zu minimieren. Den vollständigen „Risiko-Check“ mit zahlreichen Beispielen, Checklisten und Hinweisen können Sie nachlesen in „Abenteuer Projekte – Einfache Werkzeuge für kleine und mittlere Projekte“ – erschienen im Campus Verlag.

Format Survival-Guide
Themen
Produkte App Buch
Diesen Beitrag teilen auf Diesen Beitrag teilen: Leserbrief schreiben

Hier geht es zu meiner Datenschutzerklärung

Notice: Undefined index: cookie_permission in /www/htdocs/w00d5fdf/mario-neumann-2013/wp-content/themes/neumann/footer.php on line 33