Well Team Times (220)

Potenzialentfaltungsgemeinschaft - Ein Gastbeitrag von Armin Poggendorf

Well Team Times (220)

Potenzial_ entfaltungs_ gemeinschaft
www.akademiefuerpotentialentfaltung.org

Dieser Begrifft trifft auf das zu, was wir im team-dynamischen Kreis praktizieren. Wir haben das Wort keineswegs erfunden, wir haben es übernommen von der „Akademie für Potentialentfaltung“, die von Prof. Dr. Gerald Hüther gegründet wur­de und als gemeinnützige Ge­nossenschaft in Göttingen ihre Koordinationsstelle hat.

Gerald Hüther
Die Akademie ist eine große, methodisch und thematisch sehr offene Institution, die sich selbst als Potenzialentfaltungs­gemeinschaft versteht und an­deren Gemeinschaften ein Fo­rum sowie Unterstützung und Vernetzung bieten will. Ist nicht auch jeder teamdy­namische Workshop eine Po­tenzialentfaltungsgemeinschaft auf Zeit? Und ist nicht dasNetz­werk der Teamdynamiker so eine Gemeinschaft, die sich en­gagiert, Potenzial zu entfalten? Statt Gemeinschaft können wir – je nach Kontext – auch „so­ziales System“, „Community“, „Trainingsteam“, „teamdyna­mischer Kreis“ sagen.

Zum Selbstverständnis der Akademie

Die Mitglieder unterstützen einander in dem Bemühen, keine andere Person als Objekt ihrer Vorstellungen, Bewer­tungen, Absichten und Ziele zu benutzen und einander statt dessen in einer wertschätzen­den, respektvollen, einladen­den und ermutigenden Weise als Subjekte zu begegnen. Menschen wollen sprichwört­lich „auf gleicher Augenhöhe sein“, sie wollen ebenbürtig sein. Unsere Augenhöhe ist meist direkt mit sozialem Sta­tus und Selbstwert-Gefühlen verbunden. Doch Vorsicht: „Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt …“
Die Mitglieder teilen nicht nur bestimmte Grundüberzeugun­gen (siehe rechte Spalte) und gestalten ihre Beziehungen in­nerhalb der Akademie auf Au­genhöhe. Sie versuchen auch, diese Kultur der Begegnung au­ßerhalb der Akademie in ihrem Zusammenwirken mit anderen Personen zu verwirklichen.
Der Wunsch nach Mitwirkung und Unterstützung bei der Transformation der gegenwär­tig vorherrschenden Bezie­hungskultur ist das primäre Motiv ihrer Mitgliedschaft. Die Frage nach den persönlichen Vorteilen, die sich daraus erge­ben, Mitglied der Akademie zu sein, tritt dabei in den Hinter­grund.

Grundüberzeugungen:

  • Alle Menschen versuchen, ihr Leben und ihr Zusammen­leben mit anderen so zu gestal­ten, dass sie glücklich sind.
  • Das Leben ist ein fortwäh­render Entwicklungsprozess, und deshalb kann kein Mensch glücklich sein und bleiben, wenn er sich nicht selbst wei­terentwickelt.
  • Das in jedem Menschen angelegte Entwicklungspoten­zial ist weitaus größer als die Fähigkeiten, die er sich in sei­ner jeweiligen Lebenswelt bis­lang aneignen konnte.
  • Kein Mensch ist in der La­ge, die in ihm angelegten Po­tenziale allein, ohne andere Menschen zu entfalten.
  • Potenzialentfaltung ist nur möglich, wenn Menschen ein­ander als Subjekte begegnen, sich also nicht gegenseitig zu Objekten ihrer Bewertungen, Erwartungen, Interessen oder Maßnahmen machen.
  • Die Mitglieder einer Ge­meinschaft können ihr Zusam­menleben so verändern, dass die Entfaltung der in ihnen an­gelegten Potenziale nicht län­ger unterdrückt wird.
  • Qualitativ herausragende, kreative und innovative Lei­stungen können nur von Ge­meinschaften erbracht wer­den, deren Mitglieder einander dazu einladen, ermutigen und inspirieren.

Menschliche Potenziale

In kreativen und produktiven Systemen gibt es vier verschie­dene Stufen menschlichen Po­tenzials, die zusammengehören und aufeinander aufbauen:
Talent, Kompetenz, Einsatz und Leistung. Diese vier Stu­fen müssen deutlich unterschie­den werden, denn der Nutz­nießer, beispielsweise Unter­nehmer oder Chef, muss posi­tiv, aber jeweils auf einer an­deren Ebene darauf reagieren.

Talent
ist die Anlage zu körperli­chen und geistigen Fähig­keiten. Wenn sie erkannt wird, gehört sie beachtet.

Kompetenz
ist bloße Fähigkeit. Wenn sie nachgewiesen wird, gehört sie anerkannt.

Einsatz
ist eine Tätigkeit. Wenn sie erbracht wird und sichtbar wird, gehört sie gewürdigt.

Leistung
erkennt man an einem guten Ergebnis. Eine Leistung gehört entlohnt durch eine Gegenleistung.

Obwohl sie grundsätzlich zu unterscheiden sind, kann man diese vier Potenziale nicht trennen:
Es gibt keine Leistung, die nicht mit einem persönlichen Einsatz verbunden wäre. Denn: „Von nichts kommt nichts.“ Und es nützt kein Einsatz et­was, wenn er nicht mit Kom­petenz erfolgt. Denn erst wenn man etwas kann, nützt es, dass man es tut. Und es gibt keine Kompetenz, die nicht aus ei­nem Talent erwachsen wäre.
Von jemandem, der talentiert ist, erhofft man sich, dass er bald auch kompetent wird. Von jemandem, der kompetent ist, erhofft man sich einen Ein­satz. Von jemandem, der sich einsetzt, erhofft man sich eine Leistung. Diese erst kann ei­nen Nutzen stiften und – wenn andere Leistungen dazukom­men – zum Ziel führen.

Beachtung, Anerkennung, Würdigung und Belohnung

sind die adäquaten Antworten auf die Potenziale. Man darf sie genauso wenig verwech­seln, wie man Talent, Kompe­tenz, Einsatz und Leistung vermengen darf.

Beachtung
ist nur Aufmerksamkeit, damit kein menschliches Potenzial verkümmert, damit man es fördert, so dass Fähigkeiten entstehen.

Anerkennung
ist eine innere Haltung, ein Respekt, die Achtung des ei­nen vor dem Rang und der Kompetenz des anderen.

Würdigung
ist mehr als Anerkennung: Sie ist öffentlich, geschieht vor anderen. Gewürdigt werden sollte jeder der sich besonders engagiert oder ausdauernd in ein gemeinsames Projekt ein­gebracht hat, wo ihm vielleicht auch ein besonderes Opfer ab­verlangt wurde.

Belohnung
ist materiell, finanziell. Be­lohnt oder entlohnt werden muss jeder, der Nutzen er­bracht und Werte geschöpft hat. Hier reicht auf Dauer kei­ne Würdigung, denn dafür kann der, der etwas geleistet hat, „sich nichts kaufen“. Er muss seinen Anteil an den entstan­denen Werten erhalten. Geben und Nehmen müssen einander entsprechen, gerade auch auf der materiellen Ebene.

Eine der höchsten Antworten, die die Gesellschaft für ein menschliches Potenzial hat, ist wohl der Nobelpreis: eine Wür­digung der Kompetenz, des Einsatzes und der Leistung vor der Weltöffentlichkeit, verbun­den mit der Übereignung einer hohen Geldsumme.

Die Plastizität des Gehirns

Es gibt für Gerald Hüther wohl keine wissenschaftliche Entdeckung, deren Bedeutung für das menschliche Leben und das Zusammenleben so lange und so sehr unterschätzt worden ist, wie die nun schon vor einem halben Jahrhundert nachgewiesene Plastizität des menschlichen Gehirns.
Gerald Hüther erläutert: „Sie bildet die Grundlage unserer enormen und bis ins hohe Al­ter fortbestehenden Lernfähig­keit. Diesem neuroplastischen Potential verdanken wir alles, was wir Menschen bisher ge­schaffen haben.“
Die Lernfähigkeit der Men­schen und die aus ihr gespeiste Entdeckerfreude und Gestal­tungslust bilden die Grundlage für das, was aus der Mensch­heit geworden ist. Aufgrund der enormen Lernfähigkeit der Menschen, sind sie in der La­ge, neu erworbenes Wissen und Können nicht nur an nach­folgende Generationen weiter­zugeben. Gerald Hüther er­gänzt: „Unsere soziale Organi­sation in Form individualisier­ter Gemeinschaften ermöglicht auch eine enorm effektive ho­rizontale Ausbreitung indivi­duell erworbener Kenntnisse und Fähigkeiten unter den Mitgliedern dieser Gemein­schaften.“
Vgl. bei Gerald Hüther, Neurobio­loge, Universität Göttingen

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