Well Team Times (221)

Sind wir einzigartig? - Ein Gastbeitrag von Armin Poggendorf

Well Team Times (221)

Sind wir einzigartig?
Selbst Kartoffeln sind einzigartig!

Individualität

bedeutet, dass der Mensch einzigartig ist – nicht mit jemand anderem zu vergleichen, eben ein Individuum. Wer hat nicht schon mal gedacht oder gefühlt:
„Ich bin anders als die anderen“?

Gibt es einen Widerspruch zwischen dem Wunsch, „wir selbst zu sein“, und gleichzeitig
mit anderen „zusammenpassen“ zu wollen?

Es ist eine der größten Paradoxien im Leben, dass wir nicht vom Ganzen getrennt sind und doch jeder Einzelne für sich einzigartig ist. Das ist wirklich schwer zu verstehen, denn in dem Moment, in dem wir an Einzigartigkeit denken, denken wir sofort an das Selbst. Unsere Vorstellung von Einzigartigkeit ist, dass wir nur dann einzigartig sein können, wenn wir von allem anderen getrennt sind, wenn wir einzelne Menschen sind, die nicht miteinander verbunden sind und wie Inseln existieren. Unsere Einzigartigkeit ist uns mitgegeben. Wir brauchen uns weder zu vergleichen noch anzupassen. Wir dürfen uns aber gerne einpassen, so dass wir einander ergänzen. Wir sind Teil des Ganzen und dennoch einzigartig, weil auch das Ganze einzigartig ist, und jeder Teil das Ganze einzigartig macht und seine Einzigartigkeit repräsentiert.

Ist es gut, zu verschiedenen Gruppen zu gehören und uns mit verschiedenen Identitäten auszustatten?

Wir leben mit einer Vielzahl von Identitäten, die uns mit jeweils anderen Mitmenschen in einem Wir-Bewusstsein verbinden, und das ist in aller Regel problemlos.

Da gibt es einmal die konzentrischen (geografisch konzentrischen) Identitäten. Wir Sachsen, wir Deutschen, wir Europäer, das passt alles gut zusammen und schließt sich keineswegs aus. Am Stärksten wird unsere Identität außerhalb erlebt. Auf der Zugspitze freut sich ein Sachse, wenn er einen Sachsen trifft, in Italien freut er sich, wenn er einen Deutschen trifft, und in Burma freut er sich, wenn er einen Niederländer trifft, denn so fern von Europa ist dieser einer von uns, auch ein Europäer.

Daneben gibt es nicht konzentrische, nicht grenzüberschreitende Identitäten oder
Wir-Bewusstsein: wir Christen, wir Frauen, wir Künstler. Auch diese Identitäten begründen in der Regel Verbundenheit, Empathie, Interesse aneinander und gegebenenfalls Solidarität. Und sie müssen keineswegs mit den konzentrischen Identitäten kollidieren.

Aber es gibt auch die konkurrierenden Identitäten, wie sie namentlich durch Migration entstehen, aber auch durch das Konvertieren, das heißt den Wechsel der religiösen oder auch der politischen Gemeinschaft. Diejenigen Bundestagsabgeordneten, die heimlich gleichzeitig zwei Parteien angehörten, haben es mit beiden verdorben, als das rauskam. Dasselbe werden diejenigen erleben, die gleichzeitig zwei Religionsgemeinschaften angehören wollen.

Bei den Nationen liegen die Dinge etwas anders. Man kann, ohne Ärger zu erzeugen, ein frankophiler Deutscher sein oder ein türkischstämmiger Deutscher. Man kann aber nicht ohne erheblichen Ärger in Deutschland leben, als lebte man immer noch in Ostanatolien. Das „Sowohlals-auch“ ist in einer freiheitlichen Demokratie in vielen Spielarten möglich, aber irgendwo liegen Grenzen, und ann gilt doch: „entweder – oder“. Dann steht die Entscheidung für die eine oder für die andere Zugehörigkeit oder Wir-Identität an.
Vgl. Richard Schröder, Philosoph, in DIE WELT, 27.11.2010

Schafft die Tatsache, dass wir alle verschieden sind, nicht Ungleichheit?

Im Lichte der Existenz ist jeder gleichwertig. Wir dürfen nicht vergessen: Gleichwertigkeit bedeutet nicht Gleichheit. Jeder ist gleich einzigartig, aber nicht dem anderen gleich. Die Menschen sind weder gleich groß, noch sind sie gleich intelligent, die Menschen sind nicht gleich gesund, noch sind sie gleich kreativ. Und sie sind auch nicht in der Lage, gleich gut zu malen, zu musizieren, zu tanzen, zu kochen oder sich selbst darzustellen. Jeder ist einzigartig in seinem Potenzial und Kompetenzprofil. Es stellt sich nur die Frage: Von wem kannst du etwas bekommen, wem kannst du etwas geben?

Wenn wir naturgegeben auf so unterschiedliche Weise ungleich sind, führt das nicht zu einem
endlosen Vergleichen?

Wir vergleichen uns unentwegt: zwischen Geschwistern, Klassenkameraden, Arbeitskollegen oder zwischen Freunden … Aber der Mensch ist einzigartig. Er ist nicht nur ein gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft. Er ist ein Individuum, ein unteilbares Ganzes. Gleichwertigkeit ist nur möglich, wenn das bewertende Vergleichen aufhört.

Vergleiche dich nie in deinem Wert! Das ist eine Falle, eines der größten Hindernisse für die Entfaltung deines Potenzials. Wir lernen von Anfang an zu vergleichen. Deine Mutter vergleicht dich mit anderen Kindern, dein Vater vergleicht dich mit deinem Bruder. Dein Lehrer vergleicht dich: „Schau dir Alex an, wie gut der ist, und du bist nicht so gut!“
Von Anfang an wird dir gesagt, dass du dich mit anderen vergleichen sollst. Das ist ein Verhängnis – weil es der Seele schadet, weil jedes Individuum einen absoluten Wert hat und einzigartiges Potenzial mitbringt.Ich bin nur ich, und du bist nur du selbst. Es gibt niemanden auf der Welt, mit dem du verglichen werden kannst.

Vergleichst du eine Kartoffel mit einem Apfel? Das tust du nicht. Vergleichst du eine Primel mit einer Rose? Du weißt, dass sie unterschiedlich sind – ein Vergleich ist unsinnig.

Es gab noch nie zuvor eine Person wie dich, und es wird nie wieder eine solche geben. Du bist absolut einzigartig. Das ist dein Privileg, dein Vorrecht, die Segnung der Existenz – dass sie dich einzigartig gemacht hat. Vergleiche nicht, das Vergleichen bringt Ärger und hemmt die Entwicklung.

Der Kampf, den wir unser ganzes Leben kämpfen: Wer ist der Größte?

Wir verschwenden unser Leben in diesem Kampf. Das ist egoistisch, das ist Politik. Wo immer das Ego größer sein will, gibt es Kampf und Politik. Wenn das Ego einmal nachlässt, gibt es eine Politik mehr, du vergleichst dich mit niemandem, weil jeder Einzelne unvergleichlich ist. Du stufst dich nicht höher ein, und du stufst dich nicht tiefer ein. Du bist einfach anders. Es geht nicht darum, dich höher oder tiefer einzustufen. Du bist du, und jemand anderes ist jemand anderes. Wenn das Ego verschwindet, verschwindet der Vergleich. Wenn der Vergleich verschwindet, verschwindet die Konkurrenz, und es entstehen Teamwork und Kooperation – und es gibt Frieden.

Was ist die Ursache für Angst, Konflikt, Konkurrenz, Vergleich? – Die Anstrengung, der Größte, der Erste zu sein. Jeder versucht, der Erste zu sein, daher die kriegsähnliche Stimmung, die die Gesellschaft umgibt. Selbst wenn du der Letzte bist, bist du einzigartig, mit einzigartigen Gaben.

Vergleiche dich nicht, um der Größte zu sein. Sieh nur die individuellen Potenziale der anderen, um im Austausch zu sein, so dass alle sich entfalten können.

Du bist perfekt, wie du bist. Liebe dich selbst, achte dich selbst. Wenn du dich nicht achtest, wer wird dich dann achten? Wenn du dich nicht selbst liebst, wer wird dich dann lieben? Die Menschen achten sich nicht und erwarten, dass die anderen sie achten. Sie lieben sich nicht und wollen, dass sich die ganze Welt in sie verliebt. Liebe und achte dich selbst. Eine Person, die  sich selbst liebt und achtet, vergleicht sich niemals als Person. Sich zu vergleichen ist Missachtung der eigenen Person.

Wo du dich nicht vergleichst, bist du weder größer noch kleiner, weder hässlich noch schön, weder intelligent noch dumm. Wenn du dich nicht vergleichst, bist du einfach du selbst. Und in diesem Zustand, in dem man einfach man selbst ist, kommt eine tiefe Akzeptanz des Lebens und eine tiefe Dankbarkeit für die Existenz, der du angehörst.

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