Well Team Times (229)

Vertiefung + Verflachung im Workshop - Ein Gastbeitrag von Armin Poggendorf

Well Team Times (229)

Vertiefung und Verflachung im Workshop

Ein Workshop ist für die Teilnehmer umso bedeutsamer, je „tiefer“ er geht. Sehr oft schon hat man am Ende einer Veranstaltung gehört, dass es diesmal in die „Tiefe“ gegangen sei, dass es sich gelohnt und dass es wichtige, tiefe Erkenntnisse gegeben habe. Tiefe entsteht, indem sie zugelassen wird. Sie entsteht von selbst, sobald Moderator und Teilnehmer das notwendige Vertrauen zueinander gewonnen haben. So erreicht jede Gruppe ihre eigene, individuelle Tiefe.

Teilnehmer sehnen sich häufig nach „Tiefe“, ohne dass sie recht beschreiben können, was sie darunter verstehen. Der Teamdynamiker kann nur ahnen, was die Teilnehmer denn meinen könnten:

  • Emotionalität (es wird geklagt und geschimpft, geweint und gelacht)
  • Tiefe der Vergangenheit (Familiengeschichte, Einbeziehung der Ahnen)
  • Therapeutische Dimension (mehr Lösung und Heilung, weniger Tools)
  • Vordringen in tiefere Bewusstseinsschichten (Trance, innere Bilder, Kontakt zum Unbewussten)
  • Auflösung von Konkurrenz, Spannungen und Rivalitäten (die etwa durch unterschwellige Hierarchie, unbewusste Dominanz oder Rangkämpfe entstanden sind)
  • Beschäftigung mit unerwünschten und negativen Gefühlen (durch Verlorenes, Verdrängtes, Verleugnetes, Verhasstes etc.)
  • Bewältigung von Verlusten und Verletzungen (durch Isolierung, Trennung, Unfall, Unglück, Tod)
  • Überwindung der Vereinzelung (mehr Kontakt, Austausch, Gemeinschaft und Gleichklang mit anderen Teilnehmern)
  • Thematisierung philosophischer und gesellschaftspolitischer Inhalte

Allerdings darf nicht nur und nicht ständig vertieft werden. Hin und wieder muss sich das angeregte Nervensystem von den emotionalen Prozessen, von den Begegnungen, den Perspektiv-und Strategiewechseln ausruhen, und der Workshop muss sich wieder verflachen. Das geschieht etwa in längeren Pausen. Vor allem dürfen die vertiefenden Übungen und Inszenierungen nicht zehn Minuten vor Schluss durchgeführt werden. Es muss zum Ende einer Veranstaltung, in der eine Vertiefung zugelassen wurde, eine glättende, aufbauende Phase geben, in der die Gemeinschaft, das Gemeinsame gepflegt und genossen wird.

Es darf gelacht werden

Kinder lachen oder lächeln durchschnittlich 400-mal am Tag, während den Erwachsenen das Lachen mehr und mehr zu vergehen scheint. Sie lachen durchschnittlich nur noch 15mal am Tag. Verschiedenen Studien zufolge wurde vor 40 Jahren dreimal mehr gelacht als heute. Das ist umso bedauerlicher als das Lachen mit Sicherheit die beste Medizin ist. Dabei wirkt sich schon ein Lächeln positiv auf die Hirnaktivität aus, ein ausgiebiges Lachen weckt die Lebensgeister und fördert sogar die Immunabwehr. Gemeinsam mit einem Partner oder mit einer Gruppe zu lachen

  • entschärft Konflikte
  • schafft Nähe zum Partner
  • schafft Distanz zum Problem.

Der Druck in der Arbeitswelt

Der Druck, besser sein zu müssen als die anderen, wird durch eine angespannte Arbeitsmarktsituation ständig verstärkt. Es entsteht ein Konkurrenzdenken, das eine heitere Stimmung im zwischenmenschlichen Bereich immer weniger aufkommen lässt. Wenn Menschen regelmäßig
und unbeschwert miteinander lachen, erleben sie die schwierigen Konstellationen, die sich gerade am Arbeitsplatz auftun, als eine kommunikative Herausforderung. Humor und Lachen gehen einher. Humor im Arbeitsleben hilft, Konflikte zu lösen und Stresshormone abzubauen. Im Lachen werden positive zwischenmenschliche Signale gesetzt, die Teamgeist, Kreativität und Motivation fördern. Lachen ist ein „soziales Schmiermittel“.

  • Lachen öffnet Herzen und Türen
    Fängt man erst mal richtig zu lachen an, setzt schnell ein positiver Kreislauf ein: Ein vermeintlich hartes Schicksal lässt sich leichter
    ertragen, die Arbeit geht besser von der Hand und macht dementsprechend mehr Spaß. Menschen mit Humor meistern ihre Karriere
    zumeist spielerisch, Griesgrämige tun sich schwer und sind selbst bei guter Qualifikation meist nicht so erfolgreich wie fröhliche Menschen.
  • Lachen beseitigt Hemmschwellen
    In schwierigen, angespannten psychologischen Situationen kann das Lachen lockern. Kleine Verlegenheitsmomente können in jeder
    noch so eingespielten Gruppe auftreten. Da hilft oft eine kleine witzige Bemerkung, um die Gruppe zum Lachen zu bringen. Der Witz muss nicht einmal so witzig sein, gelacht wird dennoch, aus der angespannten Situation heraus. Danach ist die allgemeine Stimmung gleich viel lockerer.
  • Lachen stärkt die Gemeinschaft
    Wo gelacht wird, ist man gerne dabei. Andererseits können Lachen und Humor erst durch die Gemeinschaft entstehen. Humor ist also auch ein sehr wichtiges Kriterium für Gruppenzusammenhalt. Der Trainer kann den Humor allein aber nicht machen. Humor und Lachen entstehen mit dem Vertrauen in der Gruppe, mit dem Voranschreiten des Gruppenfindungsprozesses. Der Trainer spürt, wie viel Humor er selbst aufbringen kann und wie viel Humor er der Gruppe zumuten kann.

Das Lachen des Trainers

Lachen ist in jeder Beziehung gesund und auch ein gebräuchliches Ausdruckmittel für den Trainer. Fröhliches Begrüßungslachen öffnet Türen. Verlegenes Lachen lässt Fehler oder Unsicherheiten weniger schwer wiegen. Entschuldigendes Lachen hilft, missglücktes Verhalten und herausgerutschte Bemerkungen aus der Welt zu schaffen. Wenn der Trainer aber etwas erklärt, anmerkt, anleitet, und er lacht dann nach dem Gesagten, wirkt das wie eine Entschuldigung, wie ein Zurücknehmen dessen, was er gesagt hat. Vielleicht ist er zu weit gegangen, vielleicht hätte er seine Worte besser wählen sollen? Er ist nicht sicher, deshalb lacht er unwillkürlich. Das zeigt seine Bescheidenheit, aber nicht die adäquate Sicherheit und Bestimmtheit, die zu seiner Rolle gehört.

Das Lachen über das, was er selbst gesagt hat, ist eine – meist unbewusste – Strategie der Annäherung, hoffentlich nicht der „Anbiederung“. Ein
solches Lachen ist wohl manchmal angebracht, aber es sollte nur am Anfang einer Trainingsphase stehen. Wenn der Trainer mitten drin ist, leitet
er die Übungen freundlich, aber ohne Lachen.

Wenn ein Trainer etwa Wortfindungsprobleme hat oder wenn er seinen Faden verliert, wenn er ein versehentlich ausgesprochenes Selbstlob abschwächen möchte, bekommt das Lachen seine Funktion. Der Trainer signalisiert mit seinem Lachen die fehlende Übereinstimmung zwischen den Anforderungen an sich selbst und seinem spontan gesprochenen, nicht ganz perfekten Text. Es ist dann ein entschuldigendes Lachen. Im Internet gibt es eine ausgedehnte Diskussion über das Verhalten mit dem „verlegenen, entschuldigenden Lachen“.

 

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