Well Team Times (235)

Verkörperung von Emotionen - Ein Gastbeitrag von Armin Poggendorf

Well Team Times (235)

Verkörperung von Emotionen

Wie begegnen wir unseren Emotionen?

Unsere menschliche Natur hat die Tendenz, die angenehmen Gefühle halten und die unangenehmen gar nicht erst haben zu wollen. Wir kennen Empörung, Verbitterung, Ärger, Wut, Groll, Zorn, Bosheit, Unmut.
Dies alles sind Gefühle, die in unserem gesellschaftlichen Leben nicht gern gelitten sind. Wir werden diese Gefühle also lieber wegschließen, mit uns selbst ausmachen, denn sie führen uns nicht weiter. Wir sammeln sie an, bis die Sammlung aus den Nähten platzt – falls wir die darin steckende Energie nicht in soziale Handlungen transformieren.

Es gibt keine guten oder schlechten Emotionen, nur erwünschte und unerwünschte. Was machen wir mit den unerwünschten? Wie werden wir sie los? Wie lösen sie sich auf? Die Antwort ist einfach, aber geht weg, indem wir sie zulassen. Aber wie funktioniert dieses Zulassen?

  1. Wir können von den Emotionen wissen. Der Mensch kann sich gewahr werden, dass die Emotionen bei ihm tatsächlich existieren oder potenziell vorhanden sind.
  2. Wir können sie verstehen. Mitunter lösen sich Emotionen einfach dadurch auf, dass der Mensch sie versteht. Warum sind die Emotionen da und in welchem Kontext sind sie entstanden?
  3. Wir können sie erleben. Wir unterstützen die Situation, in der der Mensch die Emotion erfahren und erleben kann. Es ist zeitaufwendig und mühsam, Raum für emotionale Erfahrungen zu schaffen. In Workshops können wir Menschen bei emotionalen Prozessen begleiten.
  4. Wir können sie ausdrücken. Der Mensch möchte sie ausagieren. Emotionen brauchen einen Ausdruck durch den Körper und durch Verhalten.
  5. Wir können sie verkörperlichen. Das bedeutet, in der Lage zu sein, die Emotion physiologisch in möglichst weiten Teilen des Gehirns und des Körpers zu erleben und sich ihr für eine längere Zeit auszusetzen. Bei dieser Strategie geht es um einen Balanceakt zwischen einem tieferen Sicheinlassen auf die Emotion einerseits und einem hinreichend regulierten physiologischen Zustand andererseits.

Emotion, Kognition und Verhalten sind drei Ebenen des Erlebens. Diese Ebenen sind neurophysiologisch eng miteinander verbunden. Sie sind im Gehirn, im Körper sowie in der Umgebung „verkörpert“.

Fühlen, Denken und Verhalten finden auf der Basis des individuellen Körpers statt und hängen von dessen jeweiligen physiologischen Bedingungen und psychologischen Prägungen ab. Sie bilden eine untrennbare Einheit. Wir können sagen:
Fühlen – denken – verhalten, das geht nur zusammen.

Doch die Emotion ist das primäre Element. Denn bevor wir noch gedacht haben, haben wir schon gefühlt und der Körper weiß das schon. Bevor wir uns rational entscheiden, hat das Gefühl schon entschieden. Bevor wir ein Verhalten an den Tag legen, ist die Emotion schon in uns aufgestiegen.

Die Erkenntnis, dass der gesamte Körper an emotionalen Erfahrungen beteiligt ist, sagt uns, dass unsere systemischen Aufstellungen und Inszenierungen sowie die team-dynamischen Prozesse umso wirksamer sind, je mehr wir den Körper mit einbeziehen.

Die Verkörperung von Emotionen verstehen wir als die Fähigkeit, sich emotionalen Erfahrungen länger auszusetzen und diese möglichst weit in die physiologischen Systeme von Gehirn und Körper auszudehnen. Die Rolle des Körpers im Verhalten, im Ausdruck und im Handeln ist offensichtlich:
Ohne Körper kein Handeln und kein Tun. Im Körper melden sich Emotionen, damit wir eine gegebene Situation bewerten und beurteilen können, Verhaltensalternativen gedanklich durchspielen können, bevor wir eine für unser Handeln wichtige Entscheidung treffen.

Wenn wir in Workshops bei unserem Bemühen um Ganzheitlichkeit und Wirksamkeit den Körper, die Emotion und die Kognition der Teilnehmer mitnehmen wollen, sollten wir die Körperarbeit speziell auf den Bezug zu den Emotionen fokussieren. Wir sollten darauf achten, wie gut die Emotionen zugänglich sind, sollten die Teilnehmer in körperliche Bewegung bringen und in den emotionalen Ausdruck führen, um damit auch im kognitiven Bereich bessere Ergebnisse zu erzielen.

Die Kognition leidet, wenn der Körper bewegungslos bleibt und seine Rolle als Träger der Emotionen nur eingeschränkt ausfüllen beziehungsweise ausleben kann. Menschen sind besser in der Lage, den gegebenen Kontext zu erfassen und situationsgerecht zu handeln, wenn sie Zugang zu ihren Emotionen haben.

Überwältigende und traumatische Erfahrungen können im Gehirn und im Körper eine physiologische Abwehr auslösen, die dann Emotion, Kognition und Verhalten blockiert. Unbewältigte emotionale Schwierigkeiten, die verdeckt, versteckt oder vergessen wurden, sind häufig, wenn nicht sogar immer, die Ursache physiologischer Schutz-und Abwehrmechanismen. Wenn emotionale Informationen im Organismus nur vermindert verfügbar sind, beeinträchtigt das den persönlichen Entwicklungsprozess, nicht nur auf emotionalem Gebiet. Fährt der Körper sich physiologisch zur Abwehr von Emotionen auf Sparflamme herunter, kann dies auch Kognition und Verhalten beeinträchtigen.

Emotionale Verkörperung bedeutet, dass eine Person Gefühle und hervorbrechende Emotionen zulassen kann, auch wenn diese schmerzen, peinlich oder sonstwie unangenehm sind. Beispiele: Tränen nicht unterdrücken, sondern fließen lassen. Wut rauslassen,
Holz hacken.

Je freier zugänglich emotionale Informationen im Körper sind, desto weniger Dysregulation lösen sie aus und desto eher sind sie zu ertragen. Je länger sich die Person einer bisher vermiedenen Emotion aussetzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Körper dann offen und bereit ist, um sich an den gesunden emotionalen, kognitiven und Verhaltensprozessen zu beteiligen.

Fazit
Pädagogische und therapeutische Ansätze neigen dazu, sich auf nur eine Ebene zu spezialisieren, nämlich allein auf die Ebene der Kognition oder der Emotion oder des Verhaltens. Da die drei untrennbar verbunden sind, ist es nachvollziehbar, dass spezialisierte Ansätze dieser Art allesamt weniger wirksam sind als ganzheitliche Ansätze. Die Konzentration auf nur eine dieser Ebenen dürfte sich immer auf die anderen Ebenen einschränkend auswirken.

Um in team-dynamischen Prozessen, systemischen Aufstellungen und Inszenierungen bestmögliche Ergebnisse zu erreichen, sollten wir bei der Leitung:

  • das enge Wechselspiel zwischen Emotion, Kognition und Verhalten beachten
  • die emotionale Ebene vorrangig in den Blick nehmen, da man weiß, dass sie ein Faktor oder sogar Auslöser für Kognition und Verhalten ist
  • die Emotionalität so viel wie möglich in eine Körperarbeit einbinden, da Emotionen ein ganz körperliches Phänomen sind.

Vgl. https://integralsomaticpsychology.com

 

Format Well Team Times
Themen
Diesen Beitrag teilen auf Diesen Beitrag teilen: Leserbrief schreiben

Seminarprogramm anfordern

Vielen Dank für Ihr Interesse an meinen Seminaren. Bitte wählen Sie aus, für welches Themenfeld Sie sich interessieren (Mehrfachauswahl möglich). Nach Absenden des Formulars erhalten Sie automatisch das/die gewünschte(n) Programm(e) als PDF per E-Mail an die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse.

Abenteuer Projekte
Einfache Werkzeuge für kleine und mittlere Projekte

Projekt-Safari
Große und komplexe Projekte erfolgreich machen

Projekt-Kompass
Souveräne Führung in schwierigen Projektsituationen

Anrede



Ich bin mit der Erhebung/Speicherung meiner eingegebenen Daten
zwecks Kontaktaufnahme einverstanden.

Vielen Dank!

Ihr Anfrage wurde erfolgreich übermittelt. In Kürze erhalten Sie das/die Seminarprogramm(e) an die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse. Sie haben Fragen oder wünschen sich ein Seminar, zugeschnitten auf die individuellen Bedürfnisse in Ihrem Unternehmen? Ich freue mich auf Ihre Nachricht, telefonisch oder per E-Mail:

Telefon +49 (0) 74 57 / 94 86 – 001
E-Mail