Well Team Times (236)

Ganzheitlichkeit in der Teamdynamik - Ein Gastbeitrag von Armin Poggendorf

Well Team Times (236)

Ganzheitlichkeit in der Teamdynamik

In der Angewandten Teamdynamik wird methodisch auf mehreren Ebenen angesetzt. Gern wird deshalb gesagt, dass das team-dynamische Training „ganzheitlich“ (oder „holistisch“) sei. Aber was bedeutet „ganzheitlich“? Ganzheitlichkeit ist ein Begriff, über den man diskutieren, aber auch rätseln kann. Welche Ebenen sind hier angesprochen? Wer dieses Wort benutzt, sollte Ross und Reiter nennen.Wissenschaftler können mit dem Begriff der „Ganzheitlichkeit“ oft wenig anfangen. Wann hat man denn ein Phänomen mit all seinen Einflussfaktoren wirklich „ganz“ erfasst? Wann hat man wirklich „alle“ relevanten Aspekte und Ebenen mit einbezogen?

Wenn Wissenschaftler etwas „ganzheitlich“ betrachten, dann wollen sie damit ausdrücken, dass sie nicht nur aus der Perspektive einer Wissenschaft schauen wollen, beispielsweise der Schulmedizin, sondern versuchen, ein Problem in seiner „Ganzheit“ zu sehen, also alle relevanten Aspekte mit einzubeziehen. So gibt es zum Beispiel das Konzept der Ganzheitsmedizin.
Natürlich gehört Ganzheitlichkeit auch zur Philosophie der team-dynamischen Workshops. Das heißt, wir Teamdynamiker werden versuchen, den Menschen in allen seinen Bezügen und Ebenen, in seiner Gesamtheit als integrales Wesen zu sehen: Körper, Geist und Seele sehen wir nicht als voneinander getrennte Teile. Wir nehmen den Menschen mit seinem Denken, Fühlen und Wollen und nehmen dabei auch sein soziales und kulturelles Umfeld mit in den Blick. Jeder Mensch bringt zudem eine mehr oder weniger verankerte spirituelle Erfahrung mit, die in der Interaktion auf einer tiefen Ebene mitwirkt.

Dies sind die Ebenen, die wir in der team-dynamischen Interaktion vorrangig wahrnehmen, in ihrer Interdependenz erkennen und mit Impulsen versorgen:

  • das Mentale, das Kognitive (lat.: mens = Geist, Verstand, Vernunft)
  • das Biologische, das Somatische (griech.: bíos = Leben; griech.: soma = Körper, im Gegensatz zu Geist, Seele, Gemüt)
  • das Psychische, das Emotionale (griech.: psyché = Seele)
  • das Soziale (lat.: sociālis = gesellschaftlich, gesellig)
  • das Kulturelle (lat.: cultūra = Landbau, Pflege des Körpers und Geistes)
  • das Spirituelle (lat.: spīritus = Geist, Hauch, Atem)

Leider gibt es keinen deutschen (ersatzweise griechischen oder lateinischen) Begriff, der dieses alles umfasst. Wir sind im Deutschen gezwungen, mit Bindestrichbegriffen zu hantieren. Eine Wort-Trilogie, die unter Psychologen, Psychotherapeuten und Medizinern große Wellen geschlagen hat, ist das „bio-psycho-soziale“ Konzept.

Jeder Autor und Wissenschaftler packt eben das in ein Bindestrichwort, was er bei seiner Betrachtung in Wechselwirkung sieht und bei seinem methodischen Ansatz besonders berücksichtigt. So sind in der Angewandten Teamdynamik sicherlich die Begriffe „soziokulturell“ und „sozio-emotional“ ganz zentrale, wesentliche Attribute.

Ganzheitlichkeit ist also genauso vielfältig wie beliebig. Wir müssen uns nur darüber im klaren sein, welche Ebenen wir einbeziehen und dass dies mit großer Wahrscheinlichkeit nicht alle Ebenen sind. Sehr wohl können wir nach Ganzheitlichkeit streben, wir dürfen uns nur nicht einbilden, sie tatsächlich erreicht zu haben. Wir versuchen aber alle inneren und äußeren Bedingungen zu sehen, denen der Teilnehmer unterliegt.

Was bedeutet das nun für das team-dynamische Training? Für die Moderation, für die Aufgabe des Trainers? – Es bedeutet, den Teilnehmer ganz und gar anzunehmen, ihm auf allen Ebenen zu begegnen, auf denen wir ihn überhaupt wahrnehmen können. Das bedeutet zunächst, den Teilnehmer im Workshop als erwünschten Gast zu sehen, für seine Sicherheit und sein Wohlbefinden zu sorgen, ihn gegebenenfalls zu bewirten, zu beherbergen, also seinen Körper willkommen zu heißen und zu versorgen. Es bedeutet dann, sich geistig mit ihm auseinanderzusetzen und seinen Intellekt anzusprechen, seine Seele, seine Gefühle wahrzunehmen, mit ihm nicht nur verbal, sondern bewusst auch nonverbal zu kommunizieren.
Und schließlich ihn als Freund und kulturellen Weggenossen wahrzunehmen, der in seinem Leben nicht nur Aufgaben erledigt, sondern auch ein
Spieler und Künstler ist.

Ganzheitlichkeit bedeutet im team-dynamischen Training natürlich nicht, dass immer alle Aspekte und Ebenen zugleich betrachtet und alle Methoden zugleich angewandt werden. Niemand kann jederzeit alles im Blick haben. Niemand kann alle Ebenen zugleich bedienen. Ganzheitlichkeit bedeutet für den Trainer, dass er sich auf den wichtigsten Ebenen der Interaktion auskennt, dass er den Fokus treffsicher auf diejenige Ebene lenkt, auf der er mit dem Teilnehmer in Resonanz treten kann.

Ganzheitlichkeit innen und außen

Ganzheitlichkeit heißt auch, das Leben in seiner Ganzheit zu akzeptieren. Das Ganze existiert im Inneren des Menschen wie im Äußeren, und beides ist Teil von ihm. Beides muss ausgewogen sein. Wir dürfen uns nicht für das eine auf Kosten des anderen entscheiden. Tun wir es trotzdem, fallen wir dem einen Extrem zum Opfer – und werden dafür leiden. Was wir brauchen, ist Ausgewogenheit! Denn das Äußere und das Innere stehen nicht gegeneinander, sondern sind Regungen ein und derselben Lebensenergie.
Das Leben fließt von innen nach außen und von außen nach innen, beides ist unentbehrlich. Das Äußere und das Innere sind derselbe Ursprung, ein und dasselbe Phänomen. Denn es gibt kein Innen ohne das Außen und kein Außen ohne das Innen.
Wenn die Menschen in diesem Sinne ganzheitlich und ausgewogen sind, dann ist es möglich, dass sie auch eine ausgewogene Gesellschaft bilden.
Und nur dann wird es den Menschen gut gehen.

Ganzheitliche Betrachtung

Die ganzheitliche Betrachtung eines Phänomens meint eine möglichst umfassende und weitsichtige Berücksichtigung möglichst vieler Aspekte, zum Beispiel:

  • Rahmenbedingungen und interne Beziehungen
  • erkennbare Ursprünge und Wirkungsketten
  • Neben-, Folge-und Wechselwirkungen
  • versteckte Eigenschaften, unerforschte Effekte
  • Anwendungen und Nutzenabwägungen

Somit kann Ganzheitlichkeit für uns vielerlei bedeuten, zum Beispiel:

  • Der „ganze Mensch“ ist Körper, Geist und Seele.
  • Eine Sache hat Vorteile, aber auch Nachteile; man muss sie „im Ganzen“ sehen.
  • Erst Innen und Außen zusammen ergeben das „Ganze“.

Die ganzheitliche Betrachtungsweise, wie sie meist im ökologischen, soziologischen und psychologischen Kontext erwähnt wird, findet ihre wissenschaftliche Entsprechung in der Systemtheorie.

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